Philipp Holzmann

Meine Story

Rollstuhl fahren und sich die (Gehsteig) Kante geben

Anfang / Die Herausforderung

Meine 29-jährige Klientin kommt zu mir mit einem klaren Anliegen: Sie möchte sich sicherer im Alltag mit ihrem Rollstuhl bewegen. Momentan traut sie sich kaum über Gehsteigkanten und meidet den Strassenverkehr. In ihrer Wohnung ist sie gut organisiert – mit einer Rampe zur Küche, pflegerischer Unterstützung und einem angepassten Auto für längere Strecken. Eigentlich ist alles da, was sie für ihre Selbstständigkeit braucht. Doch mit der Zeit hat sich eine gewisse Unsicherheit
eingeschlichen und sie verlässt die Wohnung nicht mehr allein. Auch bei Transfers, z. B vom Rollstuhl ins Bett, bittet sie zunehmend um Hilfe.

Transformation / Die Veränderung

Im ergotherapeutischen Prozess zeigt sich schnell, dass meine Klientin mehr kann, als sie denkt. Ihre Armkraft ist stark, also verlagern wir den Fokus: weg vom reinen Muskeltraining, hin zu Alltagssituationen. Wir üben kurze Strecken, kleine Steigungen und Bordsteinkanten. Ich bleibe anfangs nah, ziehe mich dann Schritt für Schritt zurück. Mit jedem
Versuch wächst ihr Zutrauen. Schliesslich üben wir den Weg zum Supermarkt – damit sie auch hier selbstbestimmt sein kann und das einkauft, was ihr schmeckt.

Ende / Die WirkungZwei Behandlungsblöcke später kommt sie strahlend in die Therapie. Sie erzählt, sie sei allein im Supermarkt gewesen, habe ihr Lieblings-Milchersatzprodukt gefunden und sich sicher durch den Verkehr bewegt. Zuhause meistert sie ihre Rampe ohne Hilfe. Selbst an großen Strassen fährt sie selbstbewusst über den Zebrastreifen.
Story teilen