Michelle Roth

Meine Story

Zurück ins Kloster

Anfang / Die Herausforderung

Als ich Schwester Judith das erste Mal in der Therapie begrüsste, lag der Sturz im Klostergarten bereits hinter ihr. Geblieben waren ein Oberarmbruch und eine Radialisparese. Sie konnte ihre Finger nicht mehr strecken, kaum beugen, die Hand gehorchte ihr nicht. Für eine Ordensfrau, die ihren Alltag selbstständig organisiert, war das einschneidend. Sie konnte ihr Gewand nicht mehr schliessen, keine Tasse sicher halten, nicht einmal richtig eine Bibel halten. Deshalb musste sie ins Altersheim ziehen. Dort sagte sie ruhig und klar, sie wolle zurück ins Kloster. Das war ein konkretes Ziel, mit dem wir arbeiten konnten.

Transformation / Die Veränderung

Wir trainierten nicht nur Muskeln, wir trainierten Alltag. Mit einer unterstützenden Schiene begann sie, PET-Flaschen zuzudrehen, Münzen aufzuheben, Knöpfe zu drücken. Ein Tennisball wurde zum täglichen Begleiter, manchmal rollte er davon – wir nahmen es mit Humor. Schritt für Schritt übte sie beim Anziehen, beim Einschenken von Wasser, beim Schreiben kurzer Notizen. Jeder gelungene Handgriff war ein kleiner Triumph.

Ende / Die WirkungNach Wochen schloss sie ihre Druckknöpfe wieder allein, hielt Besteck sicher, schenkte Kaffee ein und schrieb Briefe. Sie organisierte ihren Tagesablauf eigenständig und packte ihre wenigen Sachen mit ruhiger Hand. Als sie ins Kloster zurückkehrte, lächelte sie spürbar erleichtert und stolz. Dank des gezielten, alltagsnahen Trainings hatte sie ihre Selbstständigkeit zurückgewonnen – und damit ein Stück Lebensfreude.
Story teilen