
Kathrin Jost
Meine Story
Schritte zurück in den Alltag
Als Franz zu mir kam, war er erschöpft – nach einem längeren Spitalaufenthalt konnte er nur wenige Meter gehen, ohne dass Schwindel (kurzzeitiges Unsicherheitsgefühl beim Aufstehen) oder Kraftlosigkeit ihn stoppten. Früher war er Koch, fuhr Motorrad und genoss seine Stammbeiz, diese gewohnten Rollen in seinem Alltag vermisste er sehr. Sein Wunsch war es, wieder selbstständig zu kochen und unterwegs zu sein und somit wieder an seinem Leben teilhaben zu können. Ich spürte sofort, dass seine Motivation riesig, seine körperliche Kapazität aber minimal war.
Beim ersten Termin erfuhr ich von der Physiotherapie, dass ein Rollator bereitstand. Wir starteten vorsichtig mit einigen Metern täglich. Jede kleine Strecke war ein Sieg; seine Freude wurde greifbar, Tränen inklusive. Die Fortbewegung wurde nicht isoliert trainiert, sondern in konkrete Alltagssituationen und für Franz bedeutungsvollen Betätigungen eingebettet: den Weg zur Küche, das Stehen am Herd, das Zubereiten eines einfachen Getränks. Die erste selbstständig zubereitete Tasse Tee wurde zu einem zentralen Moment. Nicht als Übung, sondern als wiedergewonnene Handlungskompetenz. Franz erlebte sich dabei als Handelnder in seinem Alltag. Parallel arbeiteten wir mit Strategien zum Pausenmanagement, um seine Energie gezielt einzuteilen.