Kathrin Hofer

Meine Story

Ein letztes Mal Lotto spielen

Anfang / Die Herausforderung

Nachdem ich mich Frau Huber vorgestellt habe und erkläre, dass wir Ergotherapeutinnen Spezialistinnen fürs Tun sind – also dafür, Aktivitäten trotz Einschränkungen zu ermöglichen –, lächelt sie schwach. Sie erklärt mir, sie habe gerade erfahren, dass sie morgen bereits aus dem Spital ins Hospiz austreten werde. Ihre Bewegungen sind verlangsamt, die Konzentration schwankt, die Pflege hat berichtet, dass sie in Handlungen den Faden verliert, alles Folgen der Hirnmetastasen. Doch sie hat für die heutige Therapie einen Wunsch, der alles überstrahlt: „Kennen Sie sich mit dem Handy aus? Ich würde gerne ein letztes Mal Lotto spielen – alleine schaffe ich das nicht mehr.“ Ihr Blick ist entschlossen, ein wenig verschmitzt. Ich merke sofort: Hier geht es um Spass am Leben bis zuletzt.

Transformation / Die Veränderung

Ich setze mich zu ihr, und sie entsperrt ihr Handy, und wir gehen auf die Suche. Immer wieder weiss sie was zu tun ist, kann aber auf dem Bildschirm die Information nicht finden. Ich helfe ihr, indem ich ihr vorlese, was mir relevant erscheint und wir tippen uns durchs digitale Dickicht: Sie hat ihre Lieblingszahlen bereits in ihrem Spielerprofil gespeichert und sie sind darum leicht auswählen. Wir lachen über die Launen der Technik, und ich achte darauf, dass sie bei jedem Schritt versteht was er bedeutet – besonders beim Bezahlen.

Ende / Die WirkungWenige Minuten später hat sie ihren Tipp abgegeben. „Geschafft!“, sagt sie. Ihr Gesicht leuchtet. Heute war der Lottospieltag, nicht morgen! Das zu tun hatte viel Bedeutung und darum ist kein Gewinn nötig – sie hat heute etwas viel Wertvolleres gewonnen: Selbstbestimmung und Spass.
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